Gemeinsam arbeiten in der neuen Arbeitswelt
Myriam Keller

Myriam Keller

Myriam Keller ist Leiterin der UE Ressourcen an den Psychiatrischen Diensten Graubünden und somit Mitglied der Geschäftsleitung. Gleichzeitig ist sie Leiterin des HR, wodurch sie ein tiefes Verständnis für die Bedürfnisse aller Mitarbeitenden hat.

«Läuft» in der schönen neuen Arbeitswelt, oder?

Kennst du den Gallup Engagement Index? Regelmässig gibt der Gallup Engagement Index Auskunft darüber, wie es um Zugehörigkeit und Engagement der Mitarbeiter steht. Die mir vorliegenden Resultate für die Schweiz aus dem Jahr 2016 wirken – zumindest auf mich – verstörend oder sogar wie ein schlechter Witz. Nur gerade 13 Prozent der Mitarbeitenden haben eine hohe Bindung zu ihrem Arbeitgeber. 75 Prozent hingegen haben nur eine geringe Bindung und 12 Prozent sogar keine. Rechne das mal für deine eigene Unternehmung durch. Für die Psychiatrischen Dienste Graubünden würde dies mit ihren 1’200 Mitarbeitenden bedeuten, dass nur etwa 160 Mitarbeitende eine hohe Bindung zu unserem Unternehmen hätten. Die müssen sich doch irren…

Der Job/Stress-Index, seit 2014 im Auftrag der Gesundheitsförderung Schweiz erhoben und publiziert, zeichnet 2020 ein düsteres Bild. Bei nur gerade 25 Prozent aller Erwerbstätigen ist der Job/Stress-Index in einem vorteilhaften Bereich. Drei von zehn Erwerbstätigen haben mehr Belastungen als Ressourcen. Dies in einem Ausmass, das nicht durch zufällige Schwankungen erklärbar ist. Dieser Anteil steigt seit Jahren und zwar zulasten des Anteils, in dem mehr Ressourcen als Belastungen vorhanden sind. Fast 30 Prozent der Erwerbstätigen sind emotional erschöpft.

Es erscheint mit diesen Fakten klar: Das heutige Human Ressource Management (HRM) produziert bei den Menschen Erschöpfung. Oder anders – nicht alles, was agil ist, ist auch gut, denn falsch umgesetzte Agilität kann Erschöpfung bringen. Und davon, so scheint es mir, haben wir im heutigen System mehr als genug.

Als Verantwortliche für das HRM bei den Psychiatrischen Diensten Graubünden und Mitglied der Geschäftsleitung interessieren mich im Umfeld der Arbeitswelt 4.0 deshalb verschiedene Fragestellungen, auf die ich im mehrjährigen Projekt Arbeitswelt 4.0 Evidenz suche, um gute Managemententscheidungen herbeiführen zu können.

  • Was ist beispielsweise die Aufgabe des HRM im Bereich des Wandels und den Anpassungen an die neue Arbeitswelt?
  • Wie geht “positives Personalmanagement” wirklich? Was führt zu einer signifikanten Verbesserung des Job/Stress-Index unserer Mitarbeitenden unter Berücksichtigung der Tatsache, dass rund ein Drittel der Mitarbeitenden in den nächsten Jahren in Pension geht und der Markt an Fachkräften ohnehin schon ausgetrocknet ist?
  • Wie kann unser Unternehmen die Engagement Rate der Mitarbeitenden nachhaltig verändern, damit sie sich gerne und längerfristig an unser Unternehmen binden?

In einer aktuellen Weiterbildung habe ich gelernt, dass «Positives Personalmanagement» und «organisatorische Exzellenz» Ermöglicher sind. Sie führen zu einem Zufluss an Ressourcen, besserem Umgang mit Unsicherheit und Veränderung und wirken ansteckend. Sie führen zu mehr Aufbau an sozialem Kapital, prosozialen und proaktiver Verhaltensweisen sowie positiven selbstverstärkenden Kreisläufen. Und last but not least haben sie eine Schutzfunktion für das Unternehmen: Sie Stärken deren Widerstandsfähigkeit sowie die Stressresistenz in Change-Situationen.

Mehr als genug gute Gründe um den fundamentalen Wandel anzugehen, finde ich!

Quellen:

Führungsakademie Sylt. (2017). Gallup Engagement Index. Vergleich Deutschsprachiger Raum. Abgerufen von https://www.fuehrungsakademie-sylt.de/kapitel-3-emotionale-mitarbeiterbindung-der-erfolgsfaktor/gallup-engagement-index-abb2/

Gesundheitsförderung Schweiz. (2020, September). Faktenblatt 48. Job-Stress-Index 2020 (Faktenblatt). Abgerufen von https://gesundheitsfoerderung.ch/betriebliches-gesundheitsmanagement/grundlagen-und-studien/job-stress-index.html

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